Unterschiedliche Arbeitsansätze bei der Bildinterpretation
 

Die Interpretation eines (Satelliten-) Bildes ist die Formulierung des Wiedererkennens von persönlichem Wissen. Nur was ich bereits kenne, das kann ich auch im Bild wiedererkennen. Neues Wissen entsteht erst aus der Verknüpfung erkannter Bildinhalte über die Kernfrage: Warum ist das so?

Die jeweilige Aufgabenstellung entscheidet weitgehend darüber, wie intensiv die Auseinandersetzung mit einem Bild erfolgen soll und wieviel Lerneffekt erzielt werden kann.

1. Die Interpretation in Form einer Bildanalyse versucht eine möglichst umfassende Beschreibung der Bildinhalte. Hier steht das Bild im Mittelpunkt der Arbeit und nicht eine vorgegebene (zwangsläufig einseitige) Arbeitshypothese.
Welche inhaltlichen Aussagen stecken im Bild?
In welchem gegenseitigen Verhältnis stehen die Bildkomponenten?
Das Ergebnis: Auffälligkeiten werden angesprochen und in Beziehung gesetzt, das Bild wird ganzheitlich erfasst.
Die Software "Mind Manager" kann hier als Strukturierungshilfe eingesetzt werden.
2. Die Interpretation als Beleg für eine Arbeitshypothese beschränkt sich bewusst auf wenige Teilaspekte.
Wie bestätigt mir das Bild eine vorgegebene Hypothese?
Kann mir das Bild auf meine Fragen Antworten geben?
Das Ergebnis: Die eigene Arbeitshypothese wird hier subjektiv ins Bild projiziert, sachfremde Aspekte bleiben unbeachtet.
3. Die Interpretation nur als Hilfe zur räumlichen oder begrifflichen Orientierung hilft beim Ordnen von Vorstellungen.
Was ist wo? Was gehört wohin oder wozu?
Das Ergebnis: Bereits früher erworbene gedankliche Strukturen werden wiedererkannt und gefestigt.

Die professionelle Interpretation von Satellitenbildern geht einen wesentlichen Schritt weiter als es die gewöhnliche Bildinterpretation macht.
Wie kann das Bild umgestaltet werden (Enhancement etc.), damit sich die jeweilige Aufgabe besser lösen lässt?
Erst die digitalen Werkzeuge eröffnen diesen konstruktiven Weg zu einer Bildinterpretation. Im Unterricht wird dieser Ansatz häufiger verwendet:
Erstelle eine Bildergeschichte mit dem Ziel ...
Erstelle eine Bildkollage mit dem Ziel ...
Die Auseinandersetzung mit einem Thema oder einem Bild wird durch diesen Ansatz enorm intensiviert.

Die große Palette der digitalen Umgestaltungsmöglichkeiten (Stretch, Komposit, Farbpalette, Klassifikation) birgt jedoch die Gefahr, dass der ursprüngliche Informationsgehalt durch die digitale Manipulation verwischt wird oder gar verloren geht.

Die Überprüfbarkeit von Bildaussagen wird notwendig.
Test-, Referenz- oder Trainingsflächen heißen die realen Landschaftselemente, die begleitend zur (konstruktiven) Satellitenbildinterpretation analysiert werden. Nur über die Erfahrung in Trainingsflächen lassen sich Ziele für die nachfolgende digitale Bildgestaltung formulieren.
Welcher Sensorkanal eignet sich am besten?
Welches Farbkomposit wird ausgewählt?
Gewährt das gewählte Klassifikationsverfahren die notwendige inhaltliche Auflösung bzw. Trennschärfe?

Die Satellitenbilder auf den Folien im Buch sind "künstlerische" Eigenproduktionen der Bildautoren, nicht aber der jeweiligen Textautoren. Diese Anmerkung soll verdeutlichen, dass die Interpretationen in der Buchfassung nur das Ergebnis der Vordenker (Bildautoren) nutzen konnten, nicht aber das originale digitale Bildmaterial mit seinem sehr viel höheren Informationsgehalt. Die Interpreten sehen die Farbbilder nur mit der "Brille" der Bildautoren. Die Textautoren hatten keinen Einfluss auf die Bildgestaltung.

Bei den Interpretations-Beispielen der CD-ROM-Fassung handelt es sich in der Mehrzahl um konstruktive Satellitenbildinterpretationen:
Fotoexkursion im Schulumfeld, Radarbild vom Murnauer Molassetrog, glaziale Serie im Ammerseegebiet, das Nördlinger Ries, das IRS-1C-Quicklook von Malaga, die NDVI-Vegetationszonen von Spanien und Deutschland.

 

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