Zum Informationsgehalt von Landschafts- und Satellitenbildern

 

Unsere Wahrnehmung im Gelände, in unserer realen Welt, wird primär von Formen, Strukturen und Texturen gesteuert erst sekundär von Farben. Die Farben oder Helligkeitsstufen sprechen eher unser Gefühl an.
Wie erkennen wir ein Objekt?
Was unterscheidet einen Apfelbaum von einer Kastanie? Es ist die Form und nicht die Farbe!

Die weidererkannte Form hilft am besten bei der Identifizierung von Objekten (Haus, Kirche, Apfelbaum oder Zypresse).
Der Kontext, das Nebeneinander, das Ensemble liefert sehr starke Hinweise darauf, mit welcher Objektgruppe wir es zu tun haben (Flussgebiet, Siedlung, Agrargebiet).
Über Texturen und Schatten können wir ähnliche Objekte wie Wald, Wiese oder Mais voneinander trennen.

Die Strukturen (Häuser, Kirche, Baum, Zaun) und Stimmungen (Lichtintensität) werden erkannt, die Bildelemente sind zumeist klar definiert (gewohnte Sichtweise) und weitgehend unabhängig von der Farbgestaltung identifizierbar.

Bei Farbkompositen der Satellitengeographie werden diese Erkennungsstrategien weitgehend ungültig:
Von oben ist eine Baumform nicht mehr erkennbar, das Nebeneinander und das Ensemble von Objekten ist in der Aufsicht nur schwer zu erkennen, linienhafte Strukturen, Texturen und Farben beherrschen das Bild bei der Sicht von oben. Damit kann der Mensch, im Gegensatz zum Vogel, nur nach längerem Training sicher umgehen.


Nördlingen in
Echtfarben
(Landsat 321)

Nördlingen in
Falschfarben
(Landsat 543)

Nördlingen als
unüberwachte Klassifikation

Neben den Strukturen (Siedlungen, Gewässer, Flur) werden hier vor allem Farbflächen wahrgenommen, die aber zumeist keinen assoziativen Wert besitzen und damit kaum zur Interpretation beitragen können. Eine wesentlich höhere spektrale Auflösung, wie sie eine neue Kamera der NASA mit 128 Sensorkanälen realisiert, oder höhere Bildauflösung bei den militärischen Satelliten, vervielfachen die Probleme der Objekt-Identifizierung.

Die zentrale Frage der Bildinterpretation bleibt:
Was steckt in einem Bild?
Um dies zu ergründen bedarf es einer systematischen Vorgehensweise:
Auf was muss ich achten? Wie sieht etwas aus? An welche Themenkreise muss ich denken?
Welche Strukturen, Funktionen oder Prozesse sind in einem Abbild der Landschaft erkennbar?
- Strukturen sind die sichtbaren Elemente, sie müssen nur identifiziert werden.
- Funktionen beschreiben das Zusammenwirken der Strukturelemente, sie werden interpretativ aus den vorhandenen Strukturen gefolgert (z.B. spezielle Agrarlandschaftsformen).
- Prozesse erklären einen Struktur- bzw. Funktionswandel (z.B. Zerstörung einer Landschaft durch Bergbau, Industrie, Energiewirtschaft).

Prinzipielle methodische Vorgehensweisen bei einer geographischen Bildinterpretation:

- Struktureller Ansatz:
Ausgehend von einem identifizierten Objekt wird gefragt, wie das Objekt in das Bild eingebunden ist. Dieses Verhalten gleicht dem Blick auf eine Landkarte: Das Auge sucht und verknüpft mit anderen Objekten.
Um die Verknüpfungen auch mit Worten festzuhalten, kann man ein Mindmap mit Bleistift und Papier oder über die Software "Mind Manager" erstellen.

- Funktionaler Ansatz:
Ausgehend von erkennbaren Grobstrukturen wird gezeigt, wie die erkannten Strukturelemente verknüpft sind.
Das Ergebnis lässt sich als beschriftete Strukturskizze darstellen.

- Prozessorientierter Ansatz:
Ein zeitorientierter Bildvergleich bringt es an den Tag: Wo hat sich was warum verändert?
Das Ergebnis lässt sich als beschriftete Strukturskizze zum Differenzenbild darstellen.

- Länderkundlicher Ansatz (GIS):
Ausgehend vor einem thematischen Fragenkatalog werden die wichtigsten Komponenten analysiert.
Das Ergebnis lässt sich gut über ein ausführlich beschriftetes Mindmap festhalten.

 

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