Multimedia in Lehre und Erziehung,
meine Sicht als Lehrer und als Erzieher
mit ein paar Tipps und Tricks aus der Praxis

Zum Seminar: Der Einsatz von Medien in Bildungsprozessen
Referatsthema vom 29.1.1998

Woraus schöpften unsere Eltern ihr Wissen, ihre Bildung? Was ist heute anders?
Die reale Begegnung und die individuelle Fantasie wird heute vielfach durch eine nur virtuelle Begegnung ersetzt. Deshalb brauchen wir heute im Bildungsprozeß Multimedia.

Das Gehirn arbeitet digital und analog - wie man mit Multimedia lernt

Der Stellenwert von Bildern im Lernprozeß:
Optimiertes Lernen über mentale Bilder

Die bipolaren Eigenheiten des Gehirns entsprechen der Arbeit mit einem Satellitenbild: Zum digitalen Datensatz gehört das interpretierbare analoge Bild.
- Die linke Hirnhälfte arbeitet digital:
Analyse, kausale Logik, Klassifizieren, zielgerichtete Arbeitstechniken, Listendenken
- Die rechte Hirnhälfte arbeitet analog:
Synthese, Analogie, Denken in Bildern, Gefühle, kreative Arbeitstechniken
Für die einzelnen Formen des Lernens spielen die mentalen Bilder in der rechten Hirnhälfte eine unterschiedliche Rolle. Können mentale Bilder benutzt werden, so sind beide Hirnhälften gleichzeitig im Einsatz, Informationen werden direkt ins Langzeitgedächtnis gebracht; es wird schnell und gründlich gelernt.
- Ganzheitliches Lernen bei starker Motivation und hohem Interesse führt zur direkten
Aufnahme der Information ins Langzeitgedächtnis. Die rechte Hirnhälfte wird über die Gefühle mobilisiert. Aktuelle Ereignisse als Unterrichtsgegenstand oder Gruppenarbeit können dieses Lernen unterstützen.
- Lernen über mentale Bilder (aktives Lernen) holt zu den beobachteten, gelesenen oder
gehörten Informationen (linke Hirnhälfte) aus dem rechten Hirn Bilder, Assoziationen, Vorstellungen, Modelle als mentale Bilder und ordnet sie den Informationen zu. Dadurch wird die Information im Langzeitgedächtnis gespeichert. Dieses aktive Lernen kann im Unterricht vielfach über den Medieneinsatz gefördert werden.
- Lernen über einen Wechsel der Betrachtungsweise (rechtshirnig) verankert Wissen im Langzeitgedächtnis, man versucht Abstand zu gewinnen um mentale Bilder neu zu ordnen. Fragen hierzu: Was weiß ich zum Thema? Wozu will ich weitere Informationen?
Auch ein Wechsel der Bilddarstellung (inverses Bild, neuer Blickwinkel) kann helfen.

Ergebnis: Erfolgreiches Lernen erfordert eine Vielzahl verfügbarer mentaler Bilder.
Wie werden nun aber Bilder wahrgenommen?
Die Art und Weise, wie ein Mensch zeichnet, malt, fotografiert oder spricht, spiegelt seine Fähigkeit zum aktiven Sehen, zum Sich-ein-Bild-machen wieder. So läßt eine beschreibende Skizze zu einem zuvor gehörten Text recht gut den Entwicklungsstand bzw. die Gefühlswelt des Zeichners erkennen.
Stets gilt: Der Schüler sieht bzw. zeichnet nur das was er kennt bzw. was er sich vorstellen kann. Das Sehen ist dabei sehr selektiv: Aufgabenstellung und Motivation wirken stark auf das, was man sehen möchte. Außerdem bestimmt die Vorerfahrung den jeweiligen Intensitätsgrad des Betrachtens.
Hierzu zwei Beispiele aus der Praxis: Der Wolkentest und der Begriffetest.

Der Schauplatz für Multimedia - wie sich Multimedia in den Unterricht integrieren läßt

Hier geht es um die individuelle Begegnung mit verschiedenen Medien.
Wie sieht der Schauplatz für Multimedia in der Schule aus?


Diese drei dualen Beziehungen sind trivial:
- Der Lehrer-Schüler-Dialog.
- Der Lehrer gestaltet ein Arbeitsblatt.
- Der Schüler bearbeitet das Arbeitsblatt.
Schiebt man jeweils eine Hauptkomponente ('Lehrer', 'Schüler', 'Technik') zwischen die jeweils zwei anderen, so entsteht jeweils eine typische Unterrichtssituation:
- Der 'Computer' zwischen 'Lehrer' und 'Schüler': Der Lehrer organisiert für den Schüler, der Schüler arbeitet mit dem Medium, nicht aber mit dem Lehrer.
- Der 'Schüler' zwischen 'Lehrer' und 'Computer': Der Lehrer berät den Schüler, er benutzt das Medium zusammen mit dem Schüler.
- Der 'Lehrer' zwischen 'Schüler' und 'Computer': Der Lehrer vermittelt über das Medium, es ist die lehrerzentrierte Präsentation. Der Lehrer interpretiert das Medium, er übermittelt Bewertungsgrundsätze.

'Lehrer' steht stellvertretend für Lehrplan, Lehrtechnik, Vorbild, Maßstab fürs Handeln, Maßstab für Bewertungen, Auswahl von Medien, Organisation.
'Schüler' steht stellvertretend für das Individuum, für die Gruppe, für die Klasse.
'Computer' steht stellvertretend für die verschiedensten Medien: Tafel, Buch, Folie, Software, Overhead-PC oder PC mit Beamer, Video, Globus, Computer im Computerraum, Experiment in der Natur, usw.

Multimedia und Didaktik: Die Lehrstrategie

Die wesentlichen Überlegungen für den angestrebten Lehrweg:
Hilfreiche Assoziationen erzeugen.
- Konvergente oder divergente Vorgehensweise wählen.

Zu konvergent: Rezepte schaffen Sicherheit durch ökonomisches Arbeiten,): Rezepte schaffen Sicherheit durch ökonomisches Arbeiten,
Zu divergent: Individuelles Vertiefen bei klaren Arbeitsvorgaben fördert die Kreativität

Lehrerzentrierte oder handlungsorientierte Vorgehensweise wählen.
Zu lehrerzentriert: Der Lehrer als Vorbild vermittelt Bewertungsnormen
Zu handlungsorientiert: Die Eigentätigkeit stärkt das Selbstwertgefühl des Schülers

Multimedia und Methodik: Der Einsatzplan für Medien

Jedes Medium hat seinen didaktischen und methodischen Ort.
Wechselweise oder parallele Verwendung von Medien überlegen.
Ersteres lockert auf, zweites schafft Assoziationen (Birkenbiehl)
Bezüge schaffen für das Medium damit es wirksam werden kann.
Reihenfolge beachten: Verstärkung, Wiederholung, Auflockerung
Beim Vergleichen von Medien auf große Kontraste achten, damit der Anfänger die Unterschiede schnell wahrnehmen kann, feine Unterschiede sieht nur der erfahrene Medienbenutzer.
Die technische Bereitstellung der Medien muß gut vorbereitet sein.

Multimedia und Pädagogik: Das Lernumfeld

Multimedia sehe ich nicht nur als die digitale Form aller verfügbaren Medien.

Multimedia als Informations- und Handlungsumfeld
Information + Didaktik/Methodik + soziales Umfeld

Zu a): Die pädagogischen Filter bei der Nutzung von Medien
Zu b): Die Wirkungen: assoziativ, ganzheitlich, interaktiv, vernetzt

Ein Regelkreis hilft bei der pädagogischen Ausgestaltung des Wirkungsgefüges
bei (b). Der Begriff "Information" wird hier allgemein benutzt: Information über didaktische Möglichkeiten, über das soziale Umfeld.

Ein Regelkreis für Alltag und Schule:

Aus dem Regelkreis lassen sich Schlüsselpositionen für den Einsatz von Medien folgern:
Hilfen bei der Informationsbeschaffung
Hilfen für die Bewertung von Informationen
Hilfen beim kreativen Umgang mit Informationen: was könnte man mit den
Informationen machen?
Hilfen bei der Umsetzung von Informationen in Aktionen
Hilfen beim Reflektieren zur eigenen Rolle im Umgang mit Informationen

Die pädagogischen Filter mit ein paar Beispielen:

"Was" führt zu ökonomischer Arbeitsweise
- Die Informationsquelle selbst: Suchmethoden
- Die Art der Quelle: Auswahlmethoden
- Die Qualität der Quelle: Bewertungsmethoden
Beispiel: Die Suche im Internet, Software als Medium

"Warum, wann, wie" führen zu überzeugenden Lösungen
Die Strategie
- konvergenter oder divergenter Ansatz
- globaler oder lokaler Ansatz
Die Methodik
- Auswahl- und Bewertungstechniken
- Präsentationstechniken
- Organisationsformen
Beispiele: El Ninio und Brandrodung in den Tropen
Was soll ich tun? Eine PowerPoint-Präsentation (7.Klasse)

"Wozu" orientiert auf das soziale Umfeld
Die Person selbst
- Kontaktfähigkeit
- Sicherheit
- Eigener Standort
Der Gruppenbezug
- Teamfähigkeit
Der Gesellschaftsbezug
- Toleranz
Beispiele: Schülerreferat und Projektarbeit: "Landflucht"

Die virtuelle Sichtweise des Pädagogen birgt Gefahren.

Der Pädagoge sieht etwas, was der Lernende noch nicht sehen kann! Er sieht ein Erziehungsziel, was sein Schüler nicht nachvollziehen kann. Der Schüler ist leicht überfordert. Jede falsche Aktion des Erziehers kann deshalb den Lernenden verunsichern, demotivieren und frustrieren.

 

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