Die Homepage als Kommunikationsplattform

Die Homepage einer Schule, eines Lehrers oder Schülers ist ein neues Phänomen, das die Schule um wesentliche Aufgaben und Lernziele "bereichern" wird. Welche Schule, welcher Lehrer oder Schüler konnte bisher seine Meinung weltweit verbreiten? Die Globalisierung einer individuellen Meinung, Sicht oder Aktivität wird auf die Schule nachhaltig wirken, sie wird auch den Unterricht verändern. Die individuelle Verantwortung für das Ansehen der Schule, für das Ansehen Bayerns oder das Ansehen Deutschlands in der Welt war bisher so gut wie kein schulisches Thema. Dies ist mit dem Internet anders geworden. Bald wird es Regelungen geben, damit extreme Auswüchse im Schulbereich verhindert werden können.

Die neuen digitalen Möglichkeiten führen nicht nur zu neuen Pflichten, sie führen auch zu andersartiger Kommunikation, zu einem veränderten Kommunikationsaustausch.
Das oberflächliche Chatten ist eine Seite dieser Entwicklung.
Der Informationsabruf "on demand" (nur bei Bedarf!) führt zu neuen Formen des Informationsangebots und der Informationsverarbeitung. Er führt
- zur Kurzfassung von Informationen, sonst klickt sich jeder sofort weg;
- zu andersartiger Darstellung von Informationen damit Inhalte rascher erfasst werden können;
- zu andersartigem Gebrauch von Informationen: Zielaspekte der Informationsauswertung erhalten höchsten Stellenwert. Entscheidungen über "kann ich brauchen" oder "brauche ich nicht" müssen rascher fallen als bisher.
- zu vielfältigen Formen der Selbstdarstellung des Informationsanbieters, damit sich eine persönliche Beziehung vom User (Konsument) zum Informationsanbieter aufbauen kann. Information "on demand" lebt von einer 'persönlichen' Beziehung zwischen Nachfrager und Anbieter.

Die Rolle des Informationsanbieters wird zu einem schulischen Kernthema werden. Informationsverarbeitung und Präsentationstechniken sind hierbei nützliche Trainingsfelder, in denen sich jeder Schüler und Lehrer sicher bewegen können sollte. Dies ist aber nicht alles. Die Aufgaben eines Informationsanbieters lassen sich nicht theoretisch abhandeln, sie müssen praxisnah erlernt werden. Dabei geht es um Kompetenzen, nicht nur um Fachwissen. Solange der User nur konsumiert, begreift er die Tragweite von "Informationsanbieter" nicht. Wenn die Schule aber über die eigene Homepage im Internet oder eine CD-ROM zum Informationsanbieter wird, dann gilt es, Regelungen zu treffen und einzuhalten, Arbeitsgruppen zu schaffen und Ausdauer zu entwickeln. Die verantwortungsvolle Pflege einer Homepage oder die Gestaltung einer CD-ROM macht sehr viel Arbeit!

Die Homepage als Schritt in die Öffentlichkeit

Die Probleme der Selbstdarstellung einer Schule auf ihrer Homepage im Internet sind vielfältig: Datenschutz, Urheberrecht, Zuständigkeiten, Gestaltung, Inhalte, Aktualität u.a. bereiten anfangs sehr große Probleme.
Da eine Homepage aber nicht nur, wie etwa ein Buch, Informationen anbietet, sondern auch, wie bei einer Zeitung, vom Feedback der User "lebt", wird aus der digitalen Informationsplattform schnell eine Kommunikationsplattform. Die Vergabe von Passwörtern und die Integration von Links zu verlässlichen Partnern mit eigener Homepage reichen aus, um solch eine "Bühne" für den schulischen Informationsaustausch zu schaffen. Die Zuverlässigkeit der Partner (Lehrer, Schüler, andere Schulen, Institutionen) hat hier die oberste Priorität.
Beispiel: Unser Wirtschaftslehrer hat eine eigene kleine Homepage. Spezielle Aufgaben für den Unterricht in seiner Klasse im Computerraum stellt er kurzfristig (bei der Unterrichtsvorbereitung) auf seine eigene Homepage. Die Schüler wählen sich während der Stunde im Computerraum über einen Link auf die Homepage des Lehrers ein und bearbeiten die Aufgaben. Für den Lehrer ist dies die ökonomischste Form der Unterrichtsvorbereitung. Keine Disketten, kein Papier. Ob Materialien bzw. Aufgaben auf der privaten Homepage des Lehrers oder auf der Schulpage liegen, ist für solch ein Kommunikationssystem unerheblich, der User kann die Herkunft von Daten nur noch an der URL erkennen.

Solche Kommunikationssysteme sind an amerikanischen Schulen und Hochschulen bereits in Betrieb. Da wir die Passwörter nicht kennen, können wir uns diese Beispiele leider nicht ansehen. Im Fernsehen wurde aber über die hohe Effizienz derartiger Systeme berichtet.

Ist ein solches innerschulisches Kommunikationssystem auch öffentlich zugängig, so hat diese Form von Öffentlichkeit eine nachhaltige Wirkung auf den Unterricht selbst. Normalerweise hat ein Lehrer neben seinen eigenen Schülern keine weiteren Zuhörer. Er ist keiner fachlichen Kritik ausgesetzt, er wird nur vom Feedback seiner Schüler gesteuert. Seine guten Ideen gelangen damit nicht an den interessierten Fachkollegen. So muss jeder Lehrer "das Rad neu erfinden". Eine begrenzte Öffentlichkeit über die Plattform der schulischen Homepage würde dies zum Wohl des Systems "Schule" ändern. Öffentlich zugängliche Aufgabensammlungen sind ein erster Schritt, er ist bereits Realität. Namentliche Beiträge von Kollegen auf Bildungsservern sind ein ebenfalls bereits bestehender zweiter Schritt auf dem Weg Unterricht auszutauschen und kritisch bewerten zu lassen. Viele Kollegen haben Bedenken. Doch: Guter Unterricht und eine Schule mit besonderen Aktivitäten kann sich (be-)sehen lassen. Ein Lehrer bzw. eine Schule, die sich der öffentlichen Kritik stellt, gewinnt an innerem und äußerem Profil. Das besondere Problem bei uns Lehrern ist aber, dass wir zumeist nicht bereit sind, unsere vermeintliche "schulische Privatsphäre" aufzugeben. Als Lehrer haben wir einen öffentlichen Lehr- und Bildungsauftrag, dies steht in den Schulgesetzen. Nach meiner Meinung gibt es dabei keine Privatsphäre "Unterricht", es gibt nur den Schutz für den Schüler und Lehrer, nicht aber für schulische Inhalte.

Im Rahmen des Modellprojekts InfoSCHUL-3 werden wir die Möglichkeiten einer öffentlichen bzw. nichtöffentlichen Kommunikationsplattform "Homepage" erproben.

 

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