Forstamt Rheinbraun

Ein Tagebau benötigt enorme Flächen; darunter auch viele alte und rekultivierte Wälder. Diese Wälder werden vom Forstamt Rheinbraun betreut. Es hat seinen Sitz in Erftstadt-Kierdorf und betreut die 5 Forstbezirke Rösberg/Weilerswist/Schallmauer, Fortuna/Garzweiler, Elsdorf, Morschenich und Lindenberg.

Seine Aufgaben sind Betriebsablauf sichernd (Rodungen im Bürgewald Hambach), als auch pflegend (Erholungswald), wobei die Hauptaufgabe die forstliche Rekultivierung ehem. Tagebauflächen nach einem, mit allen Parteien abgestimmten Gesamtkonzept, ist. Zielsetzung des Forstamtes ist es, den Wald als Lebens- und Erholungsraum für Mensch und Tier zu gestalten, wobei die Aufgaben in einem Nutzungs- und Gestaltungsplan (Abstimmung mit Forstbehörde) genau festgelegt sind. Nach Angaben von Rheinbraun arbeiten die Förster dabei primär unter ökologischen Aspekten.

Laut PR-Broschüre besteht im Forstamt Rheinbraun die Auffassung, dass Rekultivierung als Chance gesehen wird, Tagebauflächen wieder in für Mensch und Tier optimalen Zustand zu versetzen. Renaturierung ist dabei ein ständiger Lernprozess. Daher werden Bestände allenfalls gelichtet und keine Kahlschläge betrieben. Bei Rodungen werden Bäume stehen gelassen und somit Lebensgrundlagen von Pflanzen und Tieren erhalten.

In der Geschichte der Rekultivierung haben sich drei Rekultivierungsphasen ergeben:

  • 1920-1950; Experimentalphase, die wertvolle Studienobjekte für die Verwendbarkeit versch. Baumarten geliefert hat

  • 1950-1958; Charakterisiert durch Pappeln, Erlen; monotone Kulturen als Vorwald zur Erschließung von Rohboden und zur Anreicherung mit org. Substanz

  • 1959-heute; kein Vorwald mehr, da nun Verkippung von Forstkies (=Mischboden aus Sanden, Kiesen und Schotter mit Löß), direkte Bepflanzung

Heute liegt die Präferenz bei der Bepflanzung bei heimischen und für die Region typischen Gehölzen (vornehmlich Laubbäume). Pro Jahr werden ca. 2 Mio. Pflanzungen vorgenommen, darunter sowohl neu gezüchtete, als auch Ableger von bereits vorhandenen Altbäumen. Die Bepflanzung wird dabei laut Rheinbraun zum gegenseitigen Schutz dicht angelegt.

Auch die Anlage von Wasserflächen und Seen ist heute ein Muss (bereits 700ha), da sie zum einen den Erholungswert steigert und und zum anderen eine  Heimat für die Tierwelt bietet. Der Vogelbestand ist in dem Rekultivierungsgebiet Sophienhöhe heute mannigfaltiger als zuvor.

Das Rheinbraun-Forstamt unterliegt ferner der Bemühung, den Tierbestand zu sichern und auszuweiten. Dies geschieht bspw. durch  Nistkästen, Fledermauskästen, Julen (Sitzstangen für Greifvögel), Verfrachtung von Laich in Biotope und Ameisennester. Eine eigene Arbeitsgruppe für Ökologie-Fragen wurde gegründet, aber dennoch steht fest, dass der  Mensch nur eine Starthilfe für die Natur sein kann.

[Bearbeitung: Markus Heinemann und Daniel Müller]