2.    Vorbereitung und Durchführung von Umsiedlungen

Bei der Umsiedlung von Ortslagen werden drei verschiedene Verfahren angewendet:

Einzelumsiedlung (der Umsiedler wählt und beschafft sich den Wohnsitz selbst)

Gruppenumsiedlung (gruppenweise Umsiedlung der Bewohner)

geschlossene Umsiedlung (Umgesiedelt werden der Großteil der Bevölkerung. Bei mehr als 2000 Einw. kann ein eigenständiger Ort entstehen, sonst Angliederung an eine bestehende Ortschaft) 

In ca. 70% aller Fälle entschieden sich die Bewohner umzusiedelnder Ortschaften für die geschlossene Umsiedlung, was mehrere Vorteile mit sich bringt. Erstens bleibt so die alte Dorfgemeinschaft erhalten und zweitens stärkt dies auch die zentralörtliche Funktion vorhandener Klein- und Mittelzentren. Des weiteren kann, bei Ansiedlung an bestehende Ortschaften, die schon vorhandene Infrastruktur genutzt werden. 

Für die geschlossene Umsiedlung können drei wesentliche, zeitlich oft überlagerte Abschnitte genannt werden:

  1. Wahl des neuen Standortes

  2. Beschaffung der Neubaugrundstücke, des Bebauungsplanes sowie der Erschließungsanlagen

  3. Umsiedlung der Haushalte und Betriebe 

Bis diese drei Phasen abgeschlossen sind, vergehen in der Regel 10 bis 15 Jahre. 

Die Bürger werden zu Beginn der Umsiedlung in Bürgerversammlungen über die geplante Umsiedlung und deren Folgen sowie Probleme informiert. Um ihre Interessen wirkungsvoll zu vertreten, bilden die betroffenen Gemeinden einen so genannten "Umsiedlungsausschuss". Des weiteren befragt der Braunkohlenausschuss die betroffenen Bürger, um weitere Planungsaufgaben vorzubereiten, dabei wird u.a. auch der Umsiedlungsstandort durch den Braunkohlenausschuss festgelegt.

Die nach den in 2. genannten Verfahren durchgeführte Wertermittlung ist die Grundlage für die Verhandlungen zwischen den Umsiedlern und der RHEINBRAUN. Die Verhandlungspartner schließen in aller Regel einen Abtretungsvertrag:

Der Umsiedler verkauft durch notariellen Vertrag das Anwesen, RHEINBRAUN überträgt die Neubaugrundstücke 

Es wird eine Räumungsfrist von 1 bis 2 Jahren vereinbart, in denen der Neubau errichtet werden kann

RHEINBRAUN stellt das Umzugsunternehmen

Das geräumte Anwesen wird zunächst mit Rücksicht auf Nachbarn noch erhalten, bis eine zusammenhängende Häuserzeile abgerissen werden kann. Die freie Fläche wird eingeebnet und mit Rasen eingesät

[Bearbeitung: Tobias Bögel, Lutz Cloos]