Erfassen des Charakters einer Landschaft, wie geht das?

Das einfachste, dafür aber etwas umständliche Verfahren ist die Strukturanalyse. Hierbei ist ein Thema vorgegeben. Dann wird in der Landschaft oder in Fotos und (Atlas-)Karten gesucht, was es zu diesem vorgegebenen Thema zu erkennen gibt. Wenn man das ganz gut machen möchte, dann formuliert man schon bei Arbeitsbeginn eine sog. Arbeitshypothese, die man dann im Laufe der Arbeiten verifiziert oder falsifiziert. Man prüft also, ob eine eingangs getroffene Behauptung richtig oder falsch ist.
Beispiel für eine solche Strukturanalyse (mit Themenschwerpunkt Landwirtschaft):
Arbeitshypothese: Die im Untersuchungsgebiet dominierende Vergrünlandung hat ihre Ursache in den hohen Niederschlägen.
Nun wird danach gesucht, ob die Wiesennutzung wirklich überwiegt. Dann versucht man über Klimadiagramme herauszufinden, wie hoch die Niederschläge in den Zeiten sind, in denen die Bauern sonst bei Ackerbau ernten würden. Muss der Landwirt wirklich auf Wiesennutzung ausweichen, oder ist vielleicht ein ganz anderer Grund zu erkennen, wie etwa die Lage zu einem Milchwerk oder Schlachthof. Dann befragt man noch einen Bauern zur gestellten Behauptung. Am Ende der Arbeiten hat man dann eine Vorstellung vom Ausmaß der "Vergrünlandung" im Untersuchungsgebiet.
Nun sucht man sich ein weiteres Thema, z.B. Tourismus u.s.w. Unsere To-Do-Liste zeigt (im Uhrzeigersinn) mögliche Ansatzpunkte für dieses Vorgehen.
Die Themen-Foto-Alben zur Kulturlandschaft bzw. zur Stadtlandschaft helfen bei dieser Arbeit.


"Merk würdig keiten" im Foto einfangen und kommentieren.

Dieses schnellere Verfahren ist nur für denjenigen geeignet, der es versteht, die vielen im Bild erkennbaren Einzelheiten zu einem Netzwerk zu verknüpfen.  Da braucht man schon etwas Erfahrung und vor allem eine gute Kombinationsgabe. Was gehört warum wie zusammen? Wie erklärt sich eine gefundene Besonderheit?

Wie startet man bei dieser ganzheitlichen Vorgehensweise?
1. Eine Foto-Exkursion (ohne Vorgabe eines Themas) ins Untersuchungsgebiet dient nur dazu, möglichst viele "Merk würdig keiten" als Foto einzufangen. Natur, Menschen, Häuser, ...
Wo gibt es Dinge, die man sich nicht so einfach erklären kann?
Das macht man am besten in mehreren Kleingruppen, denn jeder beobachtet anders.
2. Nachträglich diskutiert man die Fotos und ordnet sie nach Kategorien. Man nimmt natürlich nur die aussagekräftigen Fotos. Jedes Foto sollte bereits einen erklärenden Text bekommen haben.
3. In diesem dritten Schritt wird ein Satellitenbild wie eine thematische Karte analysiert.
Das Prinzip: Was kann ich erkennen? An welche Foto-Besonderheit kann ich mich erinnern? Was kann ich folgern?
- Linien und Flächen im Satellitenbild, was zeigen sie?
- Wie sind Häuser und Straßen angeordnet? Hieraus folgert man die Entstehung von Siedlungen und die Nutzung der Häuser.