Lohen ehemalige Flussarme und Altwässer der Donau

Altwasser im Juli bzw. März

Auwald mit Altwasserarm ( = Lohe)

Der Landschaftsraum zwischen Ingolstadt (im Osten des Bildausschnitts) und Neuburg an der Donau (im W) ist seit Jahrtausenden geprägt durch Altwässer, Flutmulden  und Altarme der Donau. Sie werden traditionell vor Ort als Lohe (= Altarm der Donau) bezeichnet. Entstanden sind diese Flussstrukturen durch Flussbettverlagerungen, aktuelle Erosion und Bodenabtragung bei Hochwasser, aber auch Ablagerungen von Flussgeschiebe und nachfolgender Verlandung.

Heute bestehen diese Lohen nur noch selten aus offenen Wasserflächen, sie sind meist nur noch als Mulde oder Kante im Gelände sichtbar, oft umrahmt von Gehölzen und Hecken.

  Die Donau 1568 (Philipp Apian)

Detail: Kolorierte Version der "Bayerischen Landtafeln von Philipp Apian" (Ausschnitt Ingolstadt)

Durch flussbauliche Maßnahmen wurde die wilde Donaulandschaft im Lauf der Jahrhunderte kultiviert mit dem Ziel

  • die Hochwassergefahr einzudämmen
  • den Fluss für Wasserkraftwerke zu nutzen
  • Agrarland zu gewinnen bzw. bestehende Agrarflächen abzusichern

So sind heute viele ehemalige Flussarme sind im Stadtbild kaum noch zu erkennen. Versuche diese auf folgenden Luftbildern zu identifizieren.  


"Lohgraben"  in Ingolstadt-Süd 


Altwasserarm im Industriegebiet im SO  

Zum Nachdenken: 

Wie wurden die Altwasserarme und Lohen im Lauf der Zeit wohl genutzt? Antworten

So wurde  das ehemals immer wieder überflutete Land nutzbar gemacht, die ehemals durchströmende Wirkung der Hochwässer blieb aus, die Lohen verlandeten zunehmend. Diese menschlichen Eingriffe hatten weitergehende Folgen :

  • flächenhaft starke Absenkung des Grundwassers
  • Austrocknung der noch wasserführenden Lohen
  • Verschwinden der restlichen Feuchtbiotope
  • Rückgang standorttypischer Pflanzen

Die ehemaligen Schleifen der Donau sind heute sehr gut an den Reststrukturen des Auwalds erkennbar und prägen das Landschaftsbild zwischen Ingolstadt und Neuburg/Donau ganz erheblich. Infolge der Entwässerung und intensiven Nutzung,  nicht zuletzt durch Überbauung, sind diese ehemaligen Feuchtbiotope jedoch äußerst selten geworden.

Wie alle Feuchtgebiete gehören diese Restareale damit zu den gefährdetsten Naturbereichen in Deutschland , obwohl ihr Schutz lebenswichtig wäre. Denn Feuchtgebiete erfüllen wichtige Funktionen . Sie

- fördern die Grundwasserbildung

- sind unentbehrlich für den Hochwasserschutz

- wirken als natürlicher Klimaschutz

- tragen zum Klimaausgleich in der Region bei

- sind bedeutsam für die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit

- prägen wesentlich den Charakter vieler Landschaften

- sind Lebensraum für viele Arten, deren Bedeutung für den Menschen z.B. für die Medizin oder Pflanzenzüchtung noch gar nicht abgeschätzt werden kann. 

So hat man z.B. im Nationalpark Donau-Auen bei Wien  eine Artenvielfalt festgestellt, die in Mitteleuropa außerhalb von Auwäldern auf so kleinem Raum ihresgleichen sucht: Weit mehr als 700 Arten höherer Pflanzen, mehr als 30 Säugetier- und 100 Brutvogelarten, 8 Reptilien- und 13 Amphibienarten und an die 50 Fischarten leben im Nationalpark Donau-Auen. Mit der reichen Fauna land- und wasserlebender Insekten und anderer Wirbelloser wird der Gesamtbestand an Tierarten auf mindestens 5000 geschätzt.

(1997 erfolgte die internationale Anerkennung des im Oktober 1996 geschaffenen Nationalparks Donau-Auen ein Qualitätssiegel, das nur Gebieten von besonderer Schutzwürdigkeit zuteil wird.)

Literatur:  Bayerisches Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen,  Feuchtgebiete, versch. Auflagen, S.3)


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