S109: Landsat 1984 und 1999:
Der Morteratsch-Gletscher zeigt den Klimawandel


Unterrichtseinheit:
- Vorbereitung
- Einstieg
- Inhalte
- Vertiefung

Das Basismaterial:
- Situation 1984
- Situation 1984+1999
- Landsat 1999 Pan

Ergänzende Materialien:
- Informationen vom KZU (!!)
- Glossar "Glaziale Serie"

Einstieg:
Im Gletschereis sind sehr viele Steine eingefroren. Sie werden mit dem Eis transportiert. Ein
Gletschertisch zeigt das Abschmelzen des Gletschereises. Woran kann man noch auf das Abschmelzen schließen? (Moräne, Schutt auf dem Eis, Randkluft, Wasser)

Inhalte:
- Erste Orientierung
Am Anfang steht eine erste Begegnung mit einem Echtfarben-Satellitenbild des Gebietes um den Morteratschgletscher aus dem Jahre 1984. Die Schüler sollen zunächst einmal nur erkennen, was wo auf dem Satellitenbild zu erkennen ist (Berge, Täler, Gletscher, Wald, Straßen usw.). Erfahrungsgemäß gelingt dies nicht gleich allen Schülern auf Anhieb. Anschließend erfolgt die Hinführung zum ersten thematischen Teil, der Behandlung der Glazialformen der Alpengletscher.

- Glazialformen kennenlernen
In folgenden sollen die Schüler die typischen Formen der glazialen Abtragung und Ablagerung kennenlernen. Hierfür sind drei unterschliedliche methodische Ansätze denkbar:
a) Mit einem Arbeitsvideo und aufgabendifferenzierter Gruppenarbeit und dem anschließenden Zusammentragen der Informationen mit Hilfe von Dias und Arbeitsblättern.
b) Mit dem Glossar "Glaziale Serie" in aufgabendifferenzierter Einzel- oder Partnerarbeit am Bildschirm im Computerraum mit anschließendem Kurzvortrag vor der Klasse (evtl. mit PowerPoint-Präsentation).
c) Mit der "Gletscherkunde" der Morteratsch-Homepage der KZU online im Computerraum, ebenfalls in Einzel- oder Partnerarbeit mit anschließendem Kurzvortrag oder einer mündlichen Lernzielkontrolle.

Die Wahl der Methode hängt hier sicherlich von der Fähigkeit der Schüler ab, selbständig zu arbeiten, von der zur Verfügung stehenden Zeit und der Zugänglichkeit des Computerraumes.

- Karteninterpretation mit Topographischer Karte 1:50000 "Julierpass"
Entweder als Hausaufgabe nach der vorangegangen Stunde oder gemeinsam im Unterricht kann jetzt eine Interpretation der schweizerischen Topographischen Karte 1:50000 "Julierpass" stehen, auf der der Morteratschgletscher abgebildet ist. Diese sollte dazu mindestens als halber Klassensatz vorhanden sein. Dabei sollen die Schüler Beispiele für die vorher besprochenen Glazialformen im Kartenbild finden und deren Lage über die Koordinaten am Kartenrand angeben. In einer anschließenden Besprechung werden die Ergebnisse verglichen.

- Realbetrachtung des Morteratschgletschers auf einer virtuellen Exkursion

Ist es nicht schon beim Kennenlernen der Glazialformen mit der KZU-Homepage geschehen, bietet sich hier ein gemeinsamer "Besuch" der Seite "Virtualmorteratsch" an, bei dem die Schüler eine virtuelle Exkursion zum Gletscher unternehmen sollen. Dabei können sie sich in realen Bildern (z.T. in 360°-Panoramaansicht) genau die Verhältnisse auf und am Morteratschgletscher anschauen und die Glazialformen wiederentdecken, die sie in der Topographischen Karte gesucht und identifiziert haben. Hierzu ein kleines Arbeitsblatt.

Vertiefung:
- Satellitenbild-Interpretation
Der nächste Schritt wäre eine erneute, diesmal genauere Betrachtung und Interpretation des schon zum Einstieg verwendeten Satellitenbildes vom Morteratschgebiet. Dies geschieht am besten im Plenum mit der Großprojektion des Bildes über den Beamer. Die Schüler sollen und können jetzt die einzelnen Glazialformen auf und um den Gletscher erkennen und benennen. Hat man eine Ausgabe der TK 50 000 aus den 80er Jahren, stimmen die Verhältnisse - sprich die Ausdehnung der Gletscher - mit denen auf dem Satellitenbild weitgehend überein. Hat man aber eine ältere oder neuere Ausgabe dieser Karte, stellen die Schüler evtl. ganz selbständig fest, dass die Gletscher eine deutlich unterschiedliche Größe haben.

- Vergleich der Satellitenbilder von 1984 und 1999
Wenn der "Rüchzug" des Gletschers nicht schon aus dem Vergleich von Kartenblatt und Satellitenbild unterschiedlichen Alters erkannt werden konnte, wird dies nun an einem Vergleich der nebeneinander projezierten Satellitenbilder von 1984 und 1999 mitgeteilt und verdeutlicht. Die unterschiedliche Ausdehnung in der Länge, aber vor allem auch in der Breite der Gletscherzunge ist auf den ersten Blick deutlich zu erkennen. Diese konkrete bildliche Darstellung des starken Abschmelzens des Gletschers in nur 15 Jahren beeindruckt und erschreckt alle Betrachter, auch diejenigen, denen das Phänomen des Rückzugs der Alpengletscher bereits bekannt ist.

Eine weitere Möglichkeit, den Rückzug des Morteratschgletschers in einem einzigen Satellitenbild darzustellen, ist die Projektion eines multitemporalen Komposits. Hierfür werden mit Hilfe eines Bildbearbeitungsprogrammes die Rohdaten der beiden oben genannten Satellitenbilder so miteinander verknüpft - die Bilder unterschiedlichen Alters also sozusagen übereinandergelegt - dass sich die alle die Bereiche, die sich unterscheiden, farbig besonders hervorheben. Diese Darstellung verdeutlicht noch einmal sehr anschaulich das Ausmaß des Abschmelzens des Gletschers.

Auf mehreren Exkursionen zum Morteratschgletscher im Abstand von einigen Jahren haben Lehrer und Schüler der Kantonsschule Züricher Unterland (KZU) die jeweilige Ausdehnung des Morteratschgletschers vermessen und so deren Rückzug belegt. Die Ergebnisse wurden jeweils für die Schul-Homepage aufbereitet und sind auch im Unterricht anzuschauen.

- Gletscherrückzug und Klimaerwärmung
Nach der Feststellung und Veranschaulichung des Gletscherrückzuges bietet sich selbstverständlich die Behandlung der Klimaerwärmung als Ursache und die Folgen des Abschmelzens der Gletscher an (z.B. die Destabilisierung und Mobilisierung von Schutt- und Gesteinsmassen in den Hochgebirgsregionen). Hierfür können auch Referate vergeben werden, in denen die Schüler z.B. auch durch eine PowerPoint-Präsentation ihren Mitschülern wichtige Informationen und Hintergründe zu diesem Thema vermitteln.

Entwurf: Günther
Hans-Multscher-Gymnasium Leutkirch